Stiller Protest: Landwirte setzen grüne Kreuze
Agrarbetriebe wollen nicht länger als Prügelknaben der Nation gelten

Landkreis Leipzig. Sie tauchen an immer mehr Stellen in der Region auf: Grüne Kreuze, die auf Feldern, Wiesen und an Straßenrändern stehen. Hintergrund ist eine landesweite Protestaktion von bäuerlichen Betrieben, die sich gegen eine Flut von Auflagen und das Anfang September beschlossene Agrarpaket der Bundesregierung aufbäumen.

Einer, der mit der aktuellen Politik hadert, ist Kevin Frost, Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebes Kitzscher. Er hat mehrere Latten grün angestrichen und die Bretter anschließend zusammengenagelt. „Wir haben die Kreuze dort aufgestellt, wo sie besonders viel Aufmerksamkeit erregen. Ein Bürger hat sich sogar schon solidarisch gezeigt und will uns mit weiteren Kreuzen unterstützen.“ Zwei der Mahnmale stehen an der Landstraße zwischen Kitzscher und Stockheim, andere am Abzweig zur Milchviehanlage in Dittmannsdorf. „Uns regt auf, dass die Entscheidungen in der Agrarpolitik nicht mehr nach fachlichen Kriterien getroffen werden“, erklärt der Landwirt. Für ihn sei der stille Protest deshalb eine Möglichkeit, die Menschen zum Nachdenken anzuregen – über Dumpingpreise fürs Essen, aber auch eine unfaire Handelspolitik. „Wir wollen ein Verständnis für die Sorgen und Nöte unserer Branche wecken“, sagt Kevin Frost, dessen Unternehmen als Kartoffelspezialist bekannt ist, aber auch Weizen, Gerste, Raps oder Mais anbaut.

Die Idee zu der Kreuz-Aktion stammt aus den sozialen Netzwerken. Hier macht „Bauer Willi“, Landwirt und Blogger, seit geraumer Zeit Furore. Seinem Beispiel, grüne Kreuze in die Äcker zu rammen, sind inzwischen Hunderte Berufskollegen zwischen Ostsee und Alpen gefolgt. „Wir verbinden mit der Aktion keine konkrete Forderung“, unterstreicht der Chef des Kitzscheraner Agrarunternehmens. Wogegen die Landwirte allerdings aufbegehren, kann er genau benennen: „Das erst kürzlich beschlossene Agrarpaket der Bundesregierung hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Demnach sollen für landwirtschaftliche Betriebe noch mehr Auflagen gelten. Reizwort ist nach wie vor der Unkrautvernichter Glyphosat. Die Öffentlichkeit unterliege dem Trugschluss, so Frost, dass das Mittel in großen Mengen auf den Feldern landet. „Sicher gibt es in unserer Branche auch schwarze Schafe. Aber die allermeisten setzen es sorgsam und nur nach Bedarf ein.“ Der Landwirtschaftsbetrieb Kitzscher versucht zum Beispiel, durch moderne Formen der Bodenbearbeitung Effekte zu erzielen. „Aber dennoch brauchen wir im Falle eines Glyphosat-Verbots auch hier Alternativen.“

Für Yvonne Kern, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Borna/Geithain/Leipzig, ist die Aktion Ausdruck der aktuell schwierigen Situation und der miesen Stimmung in der Landwirtschaft. „Wir müssen davon wegkommen, dass die Agrarunternehmen mit immer mehr Auflagen bombardiert werden und dass Entscheidungen fallen, die jeder fachlichen Grundlage entbehren“, stellt sich die Chefin des Kreisbauernverbandes hinter die Mahnmal-Proteste. „Wir wollen einfach unseren Beruf ausüben und zwar ohne dass die Politik uns immer weitere Einschränkungen aufbürdet“, erklärt Kern. Der Kreisbauernverband werde über die grünen Kreuze auch beim bevorstehenden Landeserntedankfest in Borna offensiv informieren. „Das ist eine gute Gelegenheit, um das Gespräch mit den Verbrauchern zu suchen.“

Gerade auf umweltbewusste Verbraucher hatte zuletzt auch die Firma Agrarprodukte Kitzen gesetzt, die ebenfalls Kreuze aufstellen wird. „Wir haben Interessenten angeboten, Blühstreifen mitzufinanzieren“, berichtet Hans-Uwe Heilmann, Vorstand der Genossenschaft mit Hauptsitz in Pegau. Wer will, kann sich schon für 60 Cent im Jahr einen Quadratmeter Wiese mieten, die als Refugium für Bienen und andere Insekten gilt. Das Saat-Sponsoring funktioniert per Mausklick: Im Webshop kann man sich für ein- oder mehrjährige Angebote entscheiden - und im Handumdrehen geht’s ab zum Warenkorb. „Bislang haben Interessenten 2500 Quadratmeter Blühwiese erworben. Eigentlich hatten wir mit der Größe von drei Fußballfeldern gerechnet“, zeigt sich Heilmann über die bisherige Resonanz enttäuscht. „Soweit kann es mit dem Interesse an einer biologischen Artenvielfalt dann also doch nicht sein“, schlussfolgert er. Auch den Vorstand der Agrarprodukte Kitzen wurmt vor allem, dass die Landwirte aktuell als Prügelknaben der Nation herhalten sollen. „Wir müssen wieder dazu kommen, die Dinge mit gesundem Menschenverstand zu betrachten.“ Diesem Ansinnen dienen in Heilmanns Augen auch die grünen Kreuze.

Wir müssen davon
wegkommen, dass die Agrarunternehmen mit immer mehr Auflagen bombardiert werden und dass Entscheidungen fallen, die jeder
fachlichen Grundlage entbehren


Hörfunkbeitrag MDR Sachsen, 23.10.2018


Leipziger Volkszeitung, 23. März 2018

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Eine hochmoderne Maschine hat im Landwirtschaftsbetrieb Kitzscher das Sortieren von Pflanzkartoffeln übernommen. Das Unternehmen hat dafür eine Halle umgebaut und rund 700 000 Euro investiert.

 

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Leipziger Volkszeitung, 28. September 2017

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